Musik: Haindling, Irgendwie und Sowieso
Der Tod ist groß Wir sind die seinen Lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen Wagt er zu weinen Mitten in uns.
Lieber Thorsten, liebe Hildegard, liebe Irene, liebe Angehörige, Freunde und Kollegen von der Irmi
ihr alle, Sie alle, die Sie hier sind, weil Sie sich der Irmi nah fühlen. Es ist gut, dass Sie da sind. Nein,
schön ist es nicht, und leicht schon gar nicht.
„Mitten im Leben“ war sie: ein neuer Job seit anderthalb Jahren, in dem sie sich so richtig wohl gefühlt
hat. „I fahr zu meinen Kunden zum Ratschen“ hat sie gesagt, wenn sie sich auf den Weg nach
Moosburg gemacht hat. - Anfang der Woche war sie mit ihren engsten Freundinnen in Italien:
unbeschwerte Tage voller Leichtigkeit und Tiefe. Eine Familie, die ihr Halt gab und der sie Halt sein
durfte: es gab quasi keinen Tag, an dem sie nicht mit wenigstens einer ihrer Schwestern Kontakt
gehabt hätte. Und Toddy, ihr Mann, bester Freund, Geliebter… „Toddi, komm runter, hilf mir!“ hat sie am
Sonntag Mittag gerufen, wie so oft, wenn sie mal kurz irgendwo Unterstützung brauchte. Diesmal, nach
einem gemütlichen Morgen, vor Sport und Gartenarbeit, konnte er nur da sein mit ihr. Das scheint nicht
viel, aber es war das, was es gebraucht hat in diesem Moment. Helfen konnte ihr keiner mehr. Nicht
Brigitte, die Freundin, die gleich kam und blieb, nicht die Feuerwehr oder der Notarzt. Irmis Herz hatte
zu schlagen aufgehört. Mitten im Leben.
„Wenn wir uns mitten im Leben meinen - wagt er zu weinen - mitten in uns“ – Rilke scheint es selbst
erfahren zu haben: Der Tod eines geliebten Menschen trifft uns in unserer Mitte, erschüttert uns
zutiefst. Mitten in uns ist etwas zerbrochen, als hätten wir mit diesem Menschen auch unsere Sicherheit
verloren, unser Vertrauen ins Leben. Und dann ist da einfach nur Schmerz, Taubheit, Leere.
Als ihr mir zwei Tage nach Irmis Tod von ihr erzählt habt, Thorsten, da konnte ich das sehr deutlich
spüren. Die Traurigkeit, Die Verzweiflung. Ganz intensive Gefühle. Und weil die in unserem normalen
Leben kaum Platz haben, gibt’s besondere Räume dafür. Diese Feier jetzt kann so ein Raum sein.
Darum hab ich eingangs gesagt: es ist gut, dass ihr hier seid. Und es ist wichtig:
Für Irmis Familie: Mit Ihrem Dasein zeigen Sie, dass auch Sie traurig sind. Dass Sie die Irmi geschätzt
haben, sie mögen. Aber vielleicht kann die Feier heute auch für Sie wichtig sein? Ich hab gehört, dass
Irmi nicht nur mit Bekannten und Nachbarn, sogar mit ihren Kundinnen und Kunden enge Beziehungen
aufgebaut hat. Viele wurden ihr zu Freunden. Da mag ihr plötzlicher Tod auch Wunden aufgerissen
haben. Mit dieser Feier heute kann vielleicht etwas zu heilen beginnen. Dann nämlich, wenn Sie sich
erlauben, wenn ihr euch erlaubt, den Raum zu nutzen – und zu fühlen, was grad da ist.
Warum betone ich das so? Fühlen wir nicht eh immer? - Meine Erfahrung ist , dass wir uns das Fühlen
oft gar nicht erlauben. Weil wir Angst haben, zuviel zu sein, wenn wir emotional sind. Dass die anderen
nicht umgehen können damit, wenn wir plötzlich anfangen zu weinen – oder scheinbar grundlos zu
lachen. Aber vielleicht auch, weil wir selber Angst haben vor der Heftigkeit unserer Gefühle. Wer weiß,
ob die Tränen wieder aufhören, wenn wir sie einfach laufen lassen würden?
Und dann gibt’s diesen Zustand, in dem da nur Leere ist. Eine Leere, die kaum auszuhalten ist – weil
darin all die Angst, die Traurigkeit, die Wut auf dieses Leben, das so verdammt unfair ist, weil darin all
das gefangen ist.
Und egal, was jetzt grad in euch, in Ihnen, lebendig ist: es darf da sein. Hier ist ein Raum dafür. Dieser
Raum entsteht aber nicht von allein…
Musik: Maffay, Über 7 Brücken
Wer war Irmgard Stiller? Ich hab sie nicht selbst gekannt, ihre Familie hat mir von ihr erzählt. Manches
davon werd ich jetzt mit Ihnen teilen – nicht um ein vollständiges Bild zu zeichnen von ihr – das wär eh
nicht möglich – aber vielleicht können meine Worte Anknüpfungspunkte sein für Ihre eigenen
Erinnerungen?
Irmis Wurzeln sind hier in Tegernbach. Hier ist sie aufgewachsen als zweite der drei Töchter von
Mathilde und Markus Schauer, hier, beim Heigl, hat sie als Bedienung gearbeitet nebenbei, um sich den
Ausbau einer eigenen Wohnung zu finanzieren – und weil’s ihr einfach Spaß gemacht hat. Hier wollte
sie jetzt, möglichst bald, ein neues Haus bauen, ein Häuschen für den Thorsten und sich – den Grund
dafür habt ihr letztes Jahr gekauft.
Hier waren ihre ältesten Freundinnen und Freunde. Die Irmi ist mit den Nachbarskinder rumgezogen,
war eigentlich nur draußen unterwegs, erzählt Hildegard, die ältere Schwester. Und wie sie den Ton
angegeben hat: Hildegard ließ sich die Haare schneiden und die Irmi hat angeschafft, was die Friseurin
machen sollte. Sie wollte selber Friseurin werden – aber die Eltern hatten andere Pläne für ihre
Töchter. „I mech ja nix sag’n, aber…“ war einer der Lieblingssätze der Mutter. Und weil der Vater das
Sägewerk hatte hier und selbständiger Zimmerer war, bot sich eine Ausbildung zur Bürokauffrau an.
Wichtigstes, wenn auch oft unausgesprochenes Kriterium für viele Entscheidungen waren „d’Leit“ – für
einen kleinen Rebell wie die Irmi wird das nicht leicht gewesen sein. Sie hatte ihren eigenen Kopf,
wollte ihr eigenes Ding machen – immer schon. „Sie war scho immer anders“, sagen ihre Schwestern,
„a wuide Nudl“. Die schwarzen Knie auf dem Kommunionfoto sind bleibendes Zeugnis davon.
Die Eltern drückten ihre Liebe durch Großzügigkeit und Fürsorge aus – Zeit hatten sie wenig für die drei
Madl. Aber die hatten sich gegenseitig: die Große passte auf die Kleine auf, nahm sie mit ins
Schwimmbad, später zum Tanzen. Nicht immer freiwillig: als 14jährige die vierjährige Schwester am
Rockzipfel haben macht wahrscheinlich wenig Freude. Trotzdem hat die Irmi die Irene immer gedeckt,
war für sie da wie ein zweite Mama – und hat bestimmt auch den Weg bereit für etliche Abenteuer.
Die Irmi war ungemein offen, habt ihr mir erzählt: wie sie auf Menschen zugehen, sie für sich gewinnen
konnte. Wie sie Freundschaften vermittelt, Beziehungen angebahnt hat – gern auch für andere. Wie sie
als eine der ersten Frauen zur Feuerwehr gegangen ist – und wie stolz der Tegernbacher
Feuerwehrhauptmann auf seine Mädelstruppe war, die erste im Landkreis. Wie gern sie getanzt hat
und gesungen. Auch das Holledauer Lied konnte sie auswendig, hab ich gehört. Und dass sie immer
mitgesungen hat, wenn der Rich es gespielt hat. So wie jetzt.
Musik: Ermeier Ritsch – Holledauer Lied
Später hat sie Ausflüge und kleine Reisen organisiert, mal mit Freundinnen, mal mit einer der
Schwestern, mal mit ihren Nichten, Lena, Anna und Julia. Die waren ihr nah wie eigene Kinder, scheint
mir. Ehrlich und direkt hat sie ausgesprochen, wenn ihr was nicht passt, hat Lena mir geschrieben, und
dass sie immer da war für ihre Nichten, grad, wenn es einer mal nicht so gut ging… und dass ihr
fröhliches „palim, palim!“, wenn sie zur Tür reinkam, wie ein ganz spezielles Irmi-Begrüßungsritual
war...
Die großen Reisen begannen, als sie den Thorsten kennen – oder genauer: lieben – gelernt hat. Denn
gekannt hast du die hübsche, schlagfertige Bedienung vom Heigl schon lang, hast du mir erzählt. Die
Urmel, wie ihr sie liebevoll scherzend genannt habt. Und dann war’s ausgerechnet der Abend, als du in
Berlin einen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben hattest, als klar war: du würdest zurückgehen in deine
Stadt. An diesem Abend habt ihr die Köpfe zusammengesteckt, hast du gesagt – und euch über die
folgenden Wochen und Monate immer mehr ineinander verliebt. Vielleicht grad wegen der räumlichen
Distanz: sie hat euch gelehrt, einander den Raum zu lassen, den jeder von euch braucht – und in den
gemeinsamen Zeiten ganz innig miteinander zu sein.
Dann hat’s nicht lang gedauert, bis du ihr einen Heiratsantrag gemacht hast – und es gar keine Frage
war, dass sie ihn annehmen würde. Ihr habt miteinander das Haus in Au gebaut, das die Irmi mit ihrer
Kreativität, ihrer Liebe zu bunten Farben und ihrem Blick fürs Detail so wunderschön eingerichtet hat.
Miteinander und sicher auch aneinander seid ihr gewachsen. Irmi, die über 30 Jahre lang bei der Fa.
Braas im Vertrieb gearbeitet hat, ließ sich nebenbei zur Trainerin für emotionale Kompetenz ausbilden,
wurde Heilpraktikerin für Psychotherapie – und begann zu malen. Eines ihrer Engelbilder ist auf den
Trauerkärtchen abgedruckt. Ausdruck ihrer sich vertiefenden Spiritualität, so hab ich dich verstanden,
Thorsten.
Irmi lernte, offen zu ihren Entscheidungen zu stehen, Grenzen zu setzen, klar Ja und Nein zu sagen.
Und während sie ihre Tiefe erforschte und ausdehnte,genoss sie ihr Leben immer noch mehr. „Sie hat
sich die Freiräume geschaffen, die ihr gut taten“, so hast du’s ausgedrückt, Thorsten. Auch, indem sie
sich beruflich verändert hat. Sie ging nach Moosburg zu Schwarz und Sohn. Ihr Chef dort, der schon
viel länger als das ein guter Freund ist, wird jetzt mit uns teilen, wie er die Irmi erlebt hat.
Klaus Sperling (Schwarz und Sohn)
Wer war die Irmi für Sie? Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an sie denken?
Sie haben sich berühren lassen von ihr. Ist das jetzt vorbei? Ist da noch was hinter dem Gefühl von
Leere, hinter diesem schier unerträglichen „Sie ist nicht mehr da“?
Irene, du hast mir erzählt von deinen Begegnungen mit Tieren seit Irmis Tod, von so vielen kleinen
Momenten, in denen du ganz deutlich spürst: die Irmi ist nicht weg. Sie hat dich nicht allein gelassen.
Sie selbst war überzeugt davon, dass wir wiederkommen, dass unser Leben nicht mit dem Tod endet.
„Da ist so viel schöne Energie“, hat sie noch am Tag vor ihrem Tod festgestellt, als sie nach einer
Beerdigung über den Friedhof ging. Hatte sie Angst vor dem Sterben? Unendlich weit weg schien euch
der Tod, hast du gesagt, Thorsten – obwohl so viele euch liebe Menschen gestorben sind in den letzten
Monaten und Jahren.
Was ist denn der Tod? Was wissen wir wirklich darüber? - „Der Tod ist ein toter Körper“, sagt Barry
Long. Irmis Herz hat zu schlagen aufgehört, wir haben ihren toten Körper nochmal gesehen am Freitag,
ihr habt sie berührt – und habt dabei feststellen können: das war nicht mehr die Irmi. Das war nur noch
eine tote Hülle - wie eine Handschuh, in dem keine Hand mehr steckt.
Und Irmi selbst, die Frau, die ihr liebt? Christen sprechen von der Seele, die jetzt im Himmel ist,
runterschaut zu euch, euch begleitet. Buddhisten sprechen vom Bardo, einer Übergangszeit, in der die
Seele sich wie sammelt, ehe sie neu inkarniert. Andere schauen sich die Natur an, sehen ein ewiges
Sterben und Geborenwerden sehen, Energie, die nicht verloren geht.
So viele Bilder, so viele Vorstellungen davon, was nach dem Tod sein könnte. Wirklich wissen tut’s
keiner. Aber wir fühlen. Wir fühlen den Verlust, die Leere. Und manchmal vielleicht auch eine schier
unerklärliche, friedliche Ruhe. In dieser Ruhe, in diesem Frieden, mag es sein, dass ihr euch plötlich
nicht mehr alein fühlt. Da mags sein, als wär die Irmi euch ganz nah. Und dann wisst ihr vielleicht, was
sie tun würde in einer bestimmten Situation. Was sie sagen, was sie euch raten würde? Vielleicht hast
du sogar ab und zu das Gefühl, sie wär da – fast, als ob du ihre zärtliche Berührung spürst?
Wenn das geschieht, dann vertrauen Sie drauf: das ist keine Einbildung. Und es liegt auch nicht nur
dran, dass Sie die Irmi so gut kennen. Der Grund dafür ist eure Liebe zu ihr. Nicht erst jetzt. Wie oft
warst du auf Reisen ohne sie, Thorsten – oder sie war mit Freundinnen unterwegs. Auch da konntest
du die Verbindung spüren, stimmt’s? - Es ist immer unsere eigene Liebe, die sich wie ausstreckt nach
dem Gegenüber. Und das muss sich nicht ändern, weil der Mensch, den wir lieben, tot ist. In eurer
Liebe kann sie euch nah bleiben, solange ihre selbst das wollt. Ruth Lingenfelser schreibt:
Ich weiß dich,
weit weg,
über alle Welten hinaus,
vielleicht zwischen den Wolken,
vielleicht in den Bäumen,
oder im zarten Flug
eines Schmetterlings.
Ja, ich weiß dich,
in jedem Winkel
meines Herzens,
in jedem Einatmen,
in jedem Ausatmen,
ich weiß dich ....!
Stille
Ehe wir gleich zum Grab gehen, hören wir nochmal Musik: Ein Song aus Tabaluga in einer eher
unbekannten Version: Jose Carreras singt da im Duett mit Peter Maffay. Und du hast mir erzählt,
Thorsten, dass ihr’s live gehört habt und wie begeistert die Irmi da war. „Irgendwo tief in mir, bin ich ein
Kind geblieben“ – das ist sie immer, oder?
Musik: Tabaluga, Nessaja
Gang zum Grab
Irmgard Stiller hat das Leben gefeiert und genossen. Nein, es war bestimmt nicht immer einfach – aber
sie hatte die Gabe, immer wieder auf das schauen, was gut, was liebenswert ist. Und daraus scheint
sie ganz große Kraft geschöpft zu haben. Lebenskraft. Lebensfreude. Mit der sie wiederum viele
andere Menschen beschenkt hat. Und dieses Geschenk geht nicht veloren. Jörg Zink:
"Unsere Lieben wachsen, wenn sie gegangen sind, in uns hinein, werden ein Teil von uns.
Geben uns ihre Liebe und Kraft, und am Ende bewahren wir sie unsichtbar in uns. "
Urne absenken
In allen Kulturen segnen Menschen einander. Insbesondere dann, wenn einer geht und wir nicht
mitgehen können. Dann ist es gut ihn geborgen zu wissen in einer Hand, die größer ist als die unsere.
So will ich jetzt die Irmi segnen.
Mögen Engel dir Weggefährten sein
auf deinem Weg in die andere Welt
dir helfen
dich stützen
dich halten und stärken
Mögen die mächtigen Hüterinnen der Seelen
dich umgeben mit ihrer Kraft und Liebe.
Mögen ihre starken Schwingen dich wiegen und tragen
wie eine Vogelmutter es tut
mögen sie dich dorthin tragen
wo das Leben ständig neu wird
wo Licht und Schatten miteinander verschmelzen
wo alle Dunkelheiten von dir abfallen
und deine Seele eins wird
mit dem unauslöschlichen Licht
Andrea Huber, Gestaltung von Lebensübergängen und Abschiedsfeiern
Schulbildung
1977 - 1982 Hauptschule Au/Hallertau
1973 - 1977 Grundschule Au/Hallertau
Berufsausbildung
09/82 - 07/85 Josef Benker KG, Hörgertshausen, Abschluß: Bürokauffrau
Berufstätigkeit
11/21 - 05/23 Schwarz & Sohn , Mainburg, Vetrieb DachSysteme-Aussendienst
06/04 - 10/21 Braas GmbH, Mainburg, Vetrieb System-Vertrieb-Aussendienst
01/99 - 05/04 Braas Lafarge Dachsysteme GmbH, Mainburg, System-Vertrieb-Innendienst
06/92 - 12/98 Braas Dachsysteme GmbH, Mainburg , Verkaufsleiter Sekretärin
04/87 - 05/92 Braas Dachsysteme GmbH, Mainburg, Sachbearbeiterin Vertrieb
07/86 - 03/87 Statistisches Landesamt, München
03/86 - 06/86 Getra GmbH, Osseltshausen
08/85 - 12/85 Josef Benker KG, Hörgertshausen
Weiterbildung/Seminare
12/01 Verkaufsgespräche führen
02/00 Erfolgreich beraten und verkaufen
02/00 Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre
12/99 Arbeitsorganisation/Zeitmanagement
12/99 Messeforum
11/99 Marketing
10/99 Präsentation und Rhetorik
03/99 Verkaufen am Telefon
11/93 Wie Sie ein positives Arbeitsklima schaffen
04/92 Sekretärinnen-Schulung
03/90 Erfolgreich durch kundenorientiertes Verhalten
© Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten.
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